Hilfe! Mein Lebenspartner hat einen Burnout

Es beginnt schleichend, langsam gewinnt es die Oberhand und selbst die Betroffenen leugnen es bis zuletzt. Es fällt schwer, zu erkennen und sich einzugestehen, dass etwas „nicht stimmt“, eine Überlastung vorliegt oder man sich einfach „zu viel aufgebürdet“ hat. Auch für die Partner und Familienangehörigen ist ein Burn-Out eine schwere Situation, in der es oft auch zu Wut und Verständnislosigkeit in der Kommunikation kommt.

Erkennt Betroffener den drohenden Burn-Out?

Selbstzweifel sind das stärkste Symptom, unter dem die Betroffenen leiden. Darüber zu reden fällt vielen von ihnen generell schwer. Der Leistungsdruck unserer Gesellschaft, im Berufsleben wie im privaten Umfeld, führt häufig dazu, dass man nicht mit sich und seinen Leistungen zufrieden ist. Sich fühlt, als könne man nicht genug Aufgaben bewältigen oder sei nicht den alltäglichen Pflichten gewachsen. Angehörige vermuten häufig zu Anfang, dass der Zustand eines geliebten Menschen sich in Verbindung mit zu viel Stress zunehmend verschlechtert. Darauf angesprochen reagieren sie aber mit Wut, Aggression, Ablehnung und Leugnung. Welche Möglichkeit es für Betroffene gibt, sich dem Partner zu nähern, zeigen wir in diesem Ratgeber.
Wie in vielen anderen Situationen auch, muss der Betroffene selbst erkennen, dass er ein Problem hat. Dabei helfen kann ihm der Partner oder der Angehörige in dem er sanftmütig und ausgesprochen positiv auf ihn reagiert. Selbstzweifeln begegnen Sie mit Lob und einer Aufzählung seiner Leistungen, auf die Sie sehr stolz sind. Vorwürfe, wenn etwas (wieder mal) vergessen wurde oder Selbstzweifel am Partner nagen, werden mit Vorwürfen nur schlimmer. Mitgefühl, Verständnis, positives Verhalten, Lob und Unterstützung sind die wichtigsten Verhaltensregeln, wenn sich beim Partner ein Burn-Out ankündigt oder droht. Es kann aber sein, dass der Betroffene auf alle Hilfeangebote und Versuche an ihn „heranzukommen“ mit strikter Ablehnung noch mehr Stress oder Rückzug reagiert. Beim Angehörigen führen dann häufig zu Überforderung, Hilflosigkeit, Unsicherheit und Distanz. Auch beim Betroffenen selber kann ein Wechselbad der Gefühle vorliegen. Schafft er es sich in der einen Situation zu öffnen, versagt er die Kommunikation in der anderen. Vielleicht reagiert auch der Angehörige nicht immer korrekt und nicht alle Annäherungsversuche werden adäquat durchgeführt.

Was können Angehörige bei Burn-Out tun?

In Partnerschaften und Familien sind die emotionalen Bindungen die wichtigste Basis. Wer emotional eingebunden ist, leidet häufig mit dem Betroffenen mit. Aber auch Scham und Unverständnis treffen hier auf die deutlichen Signale einer ernsthaften Erkrankung. Angehörige sollten sich grundsätzlich und unabhängig vom Fortschritt der Krankheit oder der Einsicht des Partners ausführliche Informationen zum Thema Burn-Out besorgen.

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Es kann schnell passieren, dass sich eine Spirale bildet aus positiven und negativen Gefühlen, die zu nervenaufreibenden Auseinandersetzungen führt und emotionale Verletzungen aufkommen. Die Information über die Burn-Out Erkrankung führt dazu, einen neuen Blickwinkel zu bekommen und zu lernen, dass man weder als Betroffener noch als Angehöriger damit alleine fertig werden muss. Es gibt große Gemeinschaften, Selbsthilfegruppen, Infomaterial, Literatur und viele weitere Ansatzpunkte.
Burn-Out ist leise und schleicht sich häufig über die Hintertür ins eben noch funktionierende Leben. Schlafstörungen und Kopfschmerzen werden belächelt,- wer hat die nicht? Konzentrationsschwierigkeiten, Nervosität oder Gereiztheit – ja bei dem Job kein Wunder. Viele typische Symptome sind so allgegenwärtig in unserer Gesellschaft angekommen, dass sie häufig verharmlost werden oder als gegeben akzeptiert werden. Sind die ersten Anzeichen da und es wird einfach weiter gemacht wie bisher, dann kommt Rückzug aus dem sozialen Leben hinzu, häufig gepaart mit zu viel Alkohol. Eine aggressive Grundstimmung oder eine Lethargie sind möglich. Freizeitaktivitäten fallen aus, da Schlaf nachgeholt werden muss oder der Fernseher läuft stundenlang, um den Kopf frei zu kriegen. Angehörige reagieren häufig in dieser Phase der Erkrankung mit Druck, Zwang oder Vorwürfen. Es kommt zu Streitigkeiten, die Partner gehen auf Distanz, mach Beziehung zerbricht oder die familiären Strukturen brechen auseinander.

Professionelle Hilfe und Selbsthilfegruppen bei Burn-Out

Sind die Informationen gelesen, hat das mehrfache persönliche Gespräch mit dem Partner oder Familienangehörigen nichts gebracht und zieht sich die Situation immer weiter fort, -dann ist richtige Zeitpunkt für die Suche nach professioneller Hilfe da. Ein Burn-Out kann nur in wenigen Fällen ohne professionelle und geschulte Hilfe durch Fachleuchte überwunden werden. Es ist also keine Schande, sich Hilfe zu holen und darum zu bitten. Es ist der einzig richtige Schritt in eine Zukunft ohne Stress, Streit, Ohnmacht und Distanz. Der Gang in eine Selbsthilfegruppe kann allein oder gemeinsam bewältigt werden. Sicherlicht ist gerade der erste Besuch nicht einfach für alle Beteiligten, aber der richtige Schritt auf dem Weg der Heilung oder Besserung. Schrauben Sie die Erwartungen an die Hilfe von außen aber herunter und gestehen Sie sich und Ihrem Partner zu, nur in kleinen Schritten voran zu kommen. Parallel zur Selbsthilfegruppe kann ein auf Burn-Out spezialisierter Art oder Psychotherapeut in Anspruch genommen werden. Ergänzt mit geeigneter Lektüre zum Thema und evtl. auch der Hilfe durch Ihre Krankenkasse sind Sie auf dem besten Weg.

Hilfe ohne Druck und Vorwürfe für Burn-Out Erkrankte

Burn-Out macht am Ende einsam, denn die Betroffenen ziehen sich nach und nach aus dem privaten und sozialen Umfeld zurück. Eine große Familienfeier oder eine Party sind jetzt nicht die geeigneten Aktivitäten für den Partner. Lassen Sie sich ihm zuliebe darauf ein, nur einen kleinen Spaziergang gemeinsam zu machen, oder schauen Sie mit ihm die Sportsendung. Verbringen Sie Zeit mit ihm und seien Sie an seiner Seite. Zeigen Sie ihm so, dass Ihnen etwas an ihm liegt und Sie für den Partner da sind. Geben Sie nicht direkt auf, bleiben Sie beharrlich aber stets ruhig und üben Sie keinen Druck aus. Jede noch so kleine gemeinsame Aktivität ist eine gute Chance zur Stabilisierung der Partnerschaft. Die Erkrankung ist ernst zu nehmen und hinter ihr verbirgt sich leider auch häufig ein Suizid-Gedanke. Sollte es dazu kommen, dass der Partner oder der Familienangehörige Äußerungen zum Thema Suizid abgibt, sollten Sie diese unbedingt ernst nehmen und unverzüglich Ihren Hausarzt oder einen anderen Arzt mitteilen.

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Ein ganz wichtiger Rat für alle Angehörigen zum Schluss:

Vergessen Sie nicht sich selbst und Ihre Bedürfnisse. Ein Stück des Weges muss der Betroffene allein gehen und Sie als Partner brauchen ebenfalls Zeit, das Ganze zu verarbeiten, sich zu erholen und die Situation immer wieder neu zu bewerten. Es ist gut, sich auch mal alleine zu verabreden, mit den Freunden auszugehen oder ein Wochenende weg zu fahren. Respektieren Sie die Eigenständigkeit des Partners und legen Sie Wert auf ihre eigene. Der Abstand zum Erkrankten und dem alles bestimmenden Thema Burn-Out führt zum Kräftesammeln und verhindert, selbst an einem Burn-Out zu erkranken.

 

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